Wie die Corona-Krise uns agil macht

Ein Beitrag von Alexander Yacine

Wenn es muss, geht es! Wie die Corona-Krise uns agil macht.


Wie wird es nach der Pandemie weitergehen? Wird alles anders oder gehen wir zurück zum gewohnten „modus operandi“? Welchen Ausgang die Situation nehmen wird, kann niemand wirklich sagen. Mit den Methoden der Zukunftsforschung lassen sich jedoch bestimmte Szenarien generieren, die einige mögliche Entwicklungen ausleuchten können. Diese reichen von totaler globaler Isolation über einen vollständigen System-Crash bis hin zu einer Rückkehr zu lokalen Strukturen. Gesprochen wird auch von einer positiven Aussicht auf ein neues Wirtschaftssystems, in dem ein von Achtsamkeit geprägtes sozial-ökologisches und sinnorientiertes Handeln das Profitstreben abgelöst hat.


Wann öffnen alle Geschäfte? Wann kann mein Kind sicher wieder zur Schule? Wird meine Weiterbildung stattfinden? Darf ich meine Großeltern besuchen? Kann ich meinen Geburtstag feiern? Wie kann ich mich und andere schützen?

Wir alle tappen jetzt mehr oder minder im Dunkel und immer neue Herausforderungen kommen auf uns zu. Zwar könnte man durch das lange Warten auf Antworten im Ungewissen glauben, die Zeit stehe still. Doch wir haben nicht wirklich Zeit, um große Pläne zu machen. Nur einige Eilmeldungen brächten sie alle wieder ins Wanken und nähmen ihnen den Sinn. Wir können einfach nicht mehr so weit in die Zukunft sehen, wie gewohnt.

Fakt ist: Niemand weiß genau, was geschehen wird

Was hilft uns also jetzt?

Was wir jetzt brauchen ist Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Das umsichtige, aber mutige Vortasten und regelmäßige Anpassen der Praxis an das Gelernte in einem konstanten Informationsfluss ist nichts Anderes als Agilität.

Agilität ist die Fähigkeit, in einem komplexen Umfeld flexibel, vorausschauend, proaktiv und initiativ zu handeln.



Akzeptieren wir die permanente Unvollständigkeit der nötigen Informationen, versetzt und das in einen Zustand hoher Veränderungs- und Lernbereitschaft. Das schließt auch das Vorstoßen in bisher unbekannte Gefilde ein. Das begreifen nun immer mehr Unternehmen und Organisationen – auch die Bundesregierung.

Die Technologien unserer Tage erleichtern zum Glück den Umgang mit dieser neuen komplexen Situation. Schulen, Universitäten, Unternehmen, sogar die Politik beginnt, das Potenzial der Digitalisierung aktiv zu nutzen. Weil sie es müssen. Arbeit aus dem Homeoffice wird zur Normalität. Wird es werden müssen. Jetzt wird sich zeigen, welche Organisationen die digital-agile Transformation tatsächlich ernst genommen haben, denn für diese wird es bedeutend leichter werden.

Es hat sich gezeigt: Wenn es wirklich sein muss, ist schnelle Veränderung doch möglich. Die Krise bietet in der Tat eine Chance. Sie öffnet einen notwendigen Raum zum Ausprobieren, in dem das Potenzial von Innovation ausgeschöpft werden kann.

Technologien erleichtern den Umgang mit komplexen Situationen

Akribie als Schwachstelle in Verwaltungen

 

Das gilt natürlich im Besonderen für Verwaltungen. Akribische oder fehlende Dienstvereinbarungen, die bisher die Nutzung von digitalen Tools und Home-Office behindert haben, entlarven sich nun als Schwachstellen. Behörden werden jetzt aus ihrer Komfortzone gestoßen und müssen sich schnell Lösungsansätze einfallen lassen. Interne Organisation, Kommunikation mit der Bürgerschaft und Umgang mit innovativen Technologien müssen einer Neubewertung unterzogen werden.

Das Onlinezugangsgesetzes (OZG) schreibt vor, dass bis Ende 2022 alle Verwaltungsleistungen auch online angeboten werden müssen. Bislang schien die Erreichung sehr unwahrscheinlich. Nun gewinnt das Ziel unter dem neuen Druck eine neue Qualität.

Zeitintensive Meeting-Traditionen wie Dienstberatungen, Jour Fixe und Regeltermine dürfen jetzt praxisorientierter, effektiver Sofort-Kommunikation weichen. Starre politik-getriebene Hierarchiewege erweisen sich im Vergleich zu netzwerkartig verbundenen, selbstorganisierten Teams schon lange als zu langsam und verlustreich. Und auch die Wahrnehmung der Bürgerschaft verändert sich. In Zeiten der Krise hat die Verwaltung die Chance, ihre Rolle als verlässliche Ansprechpartnerin neu zu definieren.

Verwaltung kann ihre Rolle neu definieren