Künstliche Intelligenz

Ein Blogbeitrag von Alexander Yacine

Künstliche Intelligenz im öffentlichen Sektor

Künstliche Intelligenz, KI, ist längst nicht mehr nur bloße Science Fiction. Natürlich laufen (noch) keine autonomen menschenähnlichen Roboter herum. Doch in den vergangenen Jahren hat es eine regelrechte Welle der Automatisierung von Maschinen und Programmen gegeben. Es ist zu erwarten, dass intelligente, selbstständig lernende und besser werdende Algorithmen mehr und mehr

normaler Teil unseres Alltags werden und ein soziokultureller und wirtschaftlicher Wandel damit einhergeht. Nicht nur für Unternehmensprozesse und persönliche digitale Assistenten auf dem Handy, auch im Kontext der Verwaltungsdigitalisierung gewinnt das disruptive Potenzial von KI an Bedeutung. KI kann Text, Sprachen, Töne, Bilder und 3D-Objekten automatisch erkennen und einordnen. Sie kann gewaltige Datenmengen im Bruchteil der Zeit analysieren – viel schneller, als es je ein Mensch könnte – und dadurch Empfehlungen und Prognosen abgeben, auf deren Basis bessere Entscheidungen möglich sind.

KI als Unterstützer für verwaltungsinterne Prozesse

Die meisten Digitalisierungsprojekte der Verwaltung sind derzeit auf den Kontakt zum Bürger ausgelegt. KI könnte diesen Kontakt für Bürger neu gestalten, z.B. in Form von Chatbots und Sprachassistenten (übrigens auch Prototypen-Thema in der Digitalen Werkstatt), automatische Antragsunterstützung und einer 24/7-Verfügbarkeit.

Aber auch für die Verwaltungsmitarbeiter könnte KI eine hervorragende Unterstützung sein, etwa beim Planen von Workflows, Buchen von Terminen und

Räumen oder durch automatische Akten- und Vorgangsbearbeitung. Künstliche Intelligenz könnte die Abwicklung von Unterstützungsprozessen beschleunigen, Personal entlasten und damit generell die Produktivität der Verwaltung steigern. Das dürfte letztendlich auch den Bürger freuen.

Studien belegen: Es werden mehr Jobs entstehen als wegfallen

Alle diese Vorteile sollen jedoch nicht dazu dienen, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen. Viele Menschen sorgen sich um die Situation am Arbeitsmarkt: einige Arbeitsaufgaben werden im Zuge der Digitalisierung sicher wegfallen, andere sich verändern. Solche Entwicklungen konnten wir bisher bei jeder revolutionären Innovation vom Webstuhl bis zur Eisenbahn beobachten. Fakt ist: Technischer Fortschritt hat auch in der Vergangenheit mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Es gilt nun also mehr denn je, eine Einstellung des selbstständigen konstanten Lernens zu pflegen.

Mögliche Entwicklungsszenarien

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation skizziert verschiedene Szenarien, wie sich Verwaltung durch den Einsatz von KI verändern kann: (Quelle: Fraunhofer Gesellschaft)

  • Es könnte aufgrund von finanziellem Druck und Personalmangel eine stark KI-dominierte Verwaltung entstehen, die zwar hochgradig effizient, aber auch weniger menschlich geworden ist.
  • Es etabliert sich ein KI-unterstützter Überwachungsstaat mit einem Social-Scoring-System. (Szenario in Deutschland eher unwahrscheinlich, in China bereits etabliert System)

  • Es kommt zu einer konstruktiven Zusammenarbeit von menschlicher und künstlicher Intelligenz, um die optimalen Entscheidungen bei gleichzeitigem Datenschutz und menschen-orienterterem Handeln zu erzielen.

VErwaltung kann Innovationstreiber sein


Die Verwaltung ist Mittlerin zwischen Politik und Bürgern. Sie muss Gesetze und Verordnungen umsetzen und sich dabei gleichzeitig an den Erwartungen der Bürger orientieren. Sie balanciert damit zwischen Investition, Sparsamkeit, Rechtssicherheit und ihrer Rolle als Arbeitgeber. Nun hat sie auch die Chance, Innovationstreiber zu sein. Ein großer Teil des Wissens über Verwaltungsprozesse liegt in Köpfen der Verwaltungsmitarbeiter. Um KI nachhaltig zu etablieren, muss dieses Wissen explizit gemacht und entsprechende Kompetenzen aufgebaut werden.

 

Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht vorhersagbar, welche Auswirkungen KI genau haben wird. Die zukunftsleitende Frage ist jedoch nicht, ob, sondern wie KI und die begleitenden Technologien im öffentlichen Sektor tatsächlich genutzt werden sollen. Und dieser Frage muss sich auf interdisziplinäre Weise genähert werden.

Es braucht rechtssichere Experimentierräume

Angesichts der Vielfalt an KI-Ansätzen werden wahrscheinlich viele Prozesse neu gestaltet werden müssen. Hier gilt es, eine Balance zwischen technischer Expertise, rechtlichem Sachverstand sowie Erfahrungen aus der Verwaltungspraxis zu halten. Es braucht dafür rechtssichere Experimentierräume um Potenziale und Anwendungsfälle zu analysieren. Auf Grundlage konkreter Erfahrungswerte können Entscheidungen über Einführung und Gestaltungen von KI getroffen werden.

Digitale Transformation ist ein ständiger Prozess

Die digitale Transformation der Verwaltung ist ein ständiger Prozess der Erneuerung, dessen Ende und Wirkung noch nicht absehbar sind. KI, Big Data, IoT, urbane Datenplattformen und andere Technologien verfügen über das Potential, Aufbau- und Ablauforganisation des öffentlichen Sektors auf allen Ebenen nachhaltig zu verändern. Wir sollten uns jetzt auf den Weg machen, diese Potenziale genau zu untersuchen und zu verstehen.