Führerscheinpflichtumtausch

Projektgegenstand

Die EU-Richtlinie 2006/126/EG fordert eine EU weite Vereinheitlichung der bisher existierenden über 100  Führerscheinarten. Damit einhergehend wird eine befristete Gültigkeitsdauer eingeführt. Der Umtauschprozess erfolgt gestaffelt, so dass von 2022 bis 2025 zunächst alle Papierführerscheine umgetauscht werden müssen. Für die Fahrerlaubnisbehörden bedeutet dies einen enormen Mehraufwand. Herausfordernd wird die Bearbeitung des deutlich erhöhten Anfragevolumens vor allem im Hinblick auf die zeitliche Konzentration der Anfragen sowie auf die damit verbundenen aufwendigen manuellen Prozesse.

So ist es beispielsweise notwendig, dass die Existenz jeder einzelnen Fahrerlaubnis geprüft werden muss. Hierfür ist der bloße Besitz eines Führerscheins leider nicht ausreichend. Stattdessen ist die Prüfung der bei Fahrerlaubniserwerb jeweils angelegten Karteikarte sowie die digitale Abschrift der notwendigen Daten erforderlich. Für die Stadt Leipzig bedeutet das, für alle Bürger, die ihre Fahrerlaubnis hier erworben haben,  diese Prüfung durchzuführen und die Personendaten manuell ins das entsprechende System zu übertragen. Hinzu kommt die Umrechnung der Führerscheinklassen von ehemaligen DDR-, BRD- und veralteten EU-Klassen und die aktuellen EU-Klassen. Ein Prozess, der vor allem Zeit kostet.

Die Aufgabe der Digitalen Werkstatt war es, diesen Prozess nach möglichen Optimierungspotentialen zu untersuchen. Gemeinsam mit der Fahrerlaubnisbehörde Leipzig sowie einem externen Dienstleister für Prozesslösungen entstand daraufhin folgende Produktvision:

Digitalisierung Führerscheinumtausch

Produktvision

“Für die Fahrerlaubnisbehörde der Stadt Leipzig mit dem Auftrag zur Erfüllung der EU-Richtlinie 2006/126/EG soll prototypisch und unter Einhaltung der Rahmenbedingungen ein schneller, automatisierter und effizienter Baustein als temporäre Lösung bis 2025/26 zur massentauglichen Optimierung des Führerscheinumtauschprozesses erstellt werden.

Der Prototyp soll unter anderem eine Online-Datenbank, die Möglichkeit der Statusabfrage sowie ein Mapping der Führerscheinklassen umfassen und auch anderen Fahrerlaubnisbehörden eine Anschlussmöglichkeit bieten.”

 August 2019

Wie sieht die prototypische Lösung aus?

Gemeinsam mit der Fahrerlaubnisbehörde Leipzig und einem externen Prozessdienstleister haben wir einen neuen Prozess geschaffen, der von einer dem Fachverfahren vorgelagerten Software unterstützt wird. Ziel hierbei ist es, Personal- und Kostenaufwände zu minimieren sowie dem Bürger einen schnelleren Service beim Führerscheinpflichtumtausch zu bieten. Dies ist uns gelungen, indem wir vorschlagen, die Karteikartendokumente sowie die entsprechenden Personendaten zeitunabhängig der Bürgeranfragen zu digitalisieren. Anschließend werden die Daten aufbereitet, die Führerscheinklassen umgerechnet sowie sonstige notwendige Angaben verifiziert, so dass sie anschließend per Schnittstelle ans Fachverfahren übergeben werden können. Anschließend kann der Standardprozess zur Führerscheinerstellung wie bisher erfolgen. In einer späteren Ausbaustufe der Software ist die automatische Erstellung der sog. Karteikartenabschrift sowie weitere unterstützende Funktionen vorgesehen.

Beispielscreens der prototypischen Software-Lösung

Übersichtsseite der digitalisierten Vorgänge
Antrag zum Pflichtumtausch
Digitale Akte mit Scan der originalen Karteikarte

Wie geht es weiter?

Nach gut drei Monaten Projektzeit haben wir einerseits einen neuen Prozess  zur Umsetzung des Führerscheinpflichtumtauschs und andererseits einen Software-Prototypen geschaffen, der diesen Prozess unterstützt. Mit der Natur eines Prototypen geht einher, dass es sich um eine noch nicht vollumfängliche und marktreife Lösung handelt. Das heißt: im nächsten Schritt prüfen wir die Wirtschaftlichkeit einer marktreifen Umsetzung, Aufwände und mögliche Entwicklungsansätze.

 

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